Einleitung Rückenschmerzen sind weit verbreitet, doch die Suche nach den „drei besten Übungen“ ist oft vergeblich. Warum? Weil Rückenschmerzen viele Ursachen haben können, und jeder Fall individuell betrachtet werden muss. Lass uns einen genaueren Blick auf die möglichen Ursachen werfen, bevor du Übungen in Betracht ziehst.
Mögliche Ursachen für Rückenschmerzen
Muskelverspannungen und Fehlhaltungen Oft sind es verspannte Muskeln oder zu wenig Bewegung im Alltag, die Schmerzen im Rücken verursachen.
Bandscheibenvorfälle Eine weitere häufige Ursache kann ein Bandscheibenvorfall sein, bei dem der weiche Kern einer Bandscheibe auf Nerven drückt und Schmerzen verursacht.
Arthritis oder andere degenerative Erkrankungen Mit zunehmendem Alter können degenerative Erkrankungen wie Osteoarthritis Rückenschmerzen hervorrufen.
Osteoporose Bei dieser Erkrankung nimmt die Knochendichte ab, was zu Wirbelbrüchen und somit zu Rückenschmerzen führen kann.
Stress und psychische Faktoren Nicht zuletzt spielen auch Stress und andere psychische Faktoren eine Rolle, da sie Muskelverspannungen begünstigen können.
Übungen: Eine individuelle Entscheidung
Anstatt spezifische Übungen zu empfehlen, sollte der Fokus darauf liegen, ein umfassendes und individuell angepasstes Programm zu entwickeln. Hier sind drei allgemeine Ansätze, die häufig helfen können:
Dehnübungen und Yoga Sanfte Dehnübungen, wie sie oft im Yoga praktiziert werden, können helfen, die Flexibilität zu verbessern und Verspannungen zu lösen.
Kraftaufbau für den Rumpf Ein gezieltes Training der Rumpfmuskulatur kann Rückenschmerzen vorbeugen, indem es die Wirbelsäule stabilisiert.
Mobilitäts- und Bewegungsübungen Beweglichkeitsübungen können helfen, die Mobilität der Wirbelsäule zu erhalten und deine Körperhaltung zu verbessern.
Fazit Es gibt keine universell besten Übungen gegen Rückenschmerzen. Vielmehr ist es entscheidend, die Ursachen der Schmerzen zu verstehen und ein maßgeschneidertes Übungsprogramm zu entwickeln. Gerne kannst du uns kontaktieren, um die besten Strategien für deine persönliche Situation zu finden.
Wenn wir von manueller Therapie sprechen, geht es um spezielle Techniken, die mit den Händen ausgeführt werden, um Schmerzen zu lindern und Beweglichkeit zu verbessern. Dazu gehören sanfte Mobilisationen oder gezielte Manipulationen an der Wirbelsäule oder den Gelenken. Diese Therapie kann auf verschiedene Körperstrukturen wirken – zum Beispiel auf Gelenke, Muskeln, Bindegewebe oder das Nervensystem.
Früher dachte man, dass manuelle Therapie biomechanische Probleme wie Gelenkfehlstellungen oder sogenannte „Verschiebungen“ der Wirbelsäule korrigieren könnte. Diese Annahmen sind heute weitgehend überholt. Tatsächlich kann man mit manuellen Techniken keine Wirbel „zurück in die richtige Position“ bringen oder Verklebungen im Gewebe „lösen“. Dennoch berichten viele Patienten nach der Behandlung über weniger Schmerzen, verbesserte Beweglichkeit und eine allgemein bessere Funktion des Körpers.
Aber warum funktioniert sie dann?
Wissenschaftler wie Bialosky et al. (2009, 2017) haben verschiedene Erklärungen dafür gefunden. Sie gehen davon aus, dass die manuelle Therapie nicht durch mechanische Veränderungen wirkt, sondern vor allem das Nervensystem beeinflusst. Hier sind einige der möglichen Mechanismen:
Schmerzlinderung durch das Nervensystem
Die Behandlung kann das Schmerzempfinden beeinflussen, indem sie die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark hemmt.
Bestimmte Gehirnbereiche, wie das periaquäduktale Grau, spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie die Schmerzverarbeitung steuern.
Veränderung von Botenstoffen im Körper
Studien zeigen, dass nach einer manuellen Therapie der Spiegel von körpereigenen Substanzen wie Beta-Endorphinen, Serotonin und endogenen Cannabinoiden ansteigt. Diese Stoffe tragen zur Schmerzlinderung bei und fördern das Wohlbefinden.
Aktivierung des sympathischen Nervensystems
Die manuelle Therapie kann zu einer kurzfristigen Aktivierung dieses Systems führen, was den Körper anregt und eine entspannende Wirkung haben kann.
Psychologische Effekte
Erwartungshaltung, Vertrauen in den Therapeuten und Placebo-Effekte können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.
Fazit
Die manuelle Therapie hat nach aktuellem Forschungsstand weniger mit mechanischen Korrekturen zu tun, sondern vielmehr mit der Beeinflussung des Nervensystems. Deshalb kann sie Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern, auch wenn keine „Verschiebungen“ oder „Blockaden“ im klassischen Sinne korrigiert werden.
Das Wichtigste, das man mitnehmen kann: Manuelle Therapie wirkt – aber anders, als viele früher dachten.
Die Bauchorgane – der geheimnisvolle Dschungel deines Körpers, wo sich alles von der Verdauung bis hin zu den geheimen Emotionen abspielt. Wenn du dich jemals gefragt hast, was in diesem faszinierenden Labyrinth vor sich geht und wie du es in Form bringst, dann solltest du dir die osteopathische Behandlung genauer anschauen. Stell dir vor, dein Bauch ist ein gut geölter Motor, der manchmal ein bisschen Inspektion und Wartung benötigt, um reibungslos zu laufen.
Osteopathie: Eine harmonische Symphonie für deine inneren Organe
Osteopathie ist wie eine harmonische Symphonie für all deine Bauchorgane. Hier sorgt der Osteopath dafür, dass jede einzelne Komponente im richtigen Rhythmus spielt und alles im Gleichgewicht ist. Wenn die Organe in einem disharmonischen Zustand sind, kann das zu unliebsamen Begleiterscheinungen wie Blähungen, Migräne oder sogar Emotionen führen, die sich wie ein schwerer Koffer auf deinen Schultern anfühlen.
Die Vorteile im Überblick:
Verbesserte Durchblutung: Eine osteopathische Behandlung hilft, den Blutfluss zu verbessern, als würde man die Verkehrsströme in einer Stadt ordentlich leiten. Weniger Stau bedeutet mehr Sauerstoff und Nährstoffe für deine Bauchorgane – sie werden es dir danken!
Entspannung der Muskulatur: Wenn deine Bauchorgane sich an den stressigen Alltag klammern wie ein Kind, das seine Spielzeuge nicht teilen will, sorgt ein Osteopath dafür, dass sie lernen, loszulassen. Dies kann zu einer spürbaren Linderung von Spannung, Schmerzen und Unwohlsein führen.
Regulation des Nervensystems: Deine Bauchorgane sind enge Freunde mit dem Nervensystem, und manchmal muss man diese Freundschaft etwas besser in Einklang bringen. Osteopathie kann helfen, die Kommunikation zwischen Gehirn und Bauch zu verbessern – vielleicht endlich mal das „Bauchgefühl“ zur Sprache bringen!
Unterstützung der Verdauung: Jeder weiß, dass das Verdauen von Nahrung nicht nur eine physische, sondern auch eine emotionale Angelegenheit ist. Ein osteopathischer Ansatz kann dazu beitragen, die Verdauung zu optimieren, sodass du dich nach einem üppigen Essen nicht wie ein angeschlagener Wal fühlst.
Ganzheitlicher Ansatz: Osteopathie betrachtet den Menschen als Ganzes. Hier wird nicht nur die Symptomatik bekämpft, sondern die wahre Ursache gesucht – wie ein Detektiv, der einen schwierigen Fall löst. Diese ganzheitliche Perspektive kann dir helfen, ein besseres Verständnis für deinen Körper und seine Bedürfnisse zu entwickeln.
Gerne kannst du dich bei uns melden, so dass wir gemeinsam im Gespräch herausfinden, was für dich gerade am besten passt.
Die Füße tragen uns durch den Alltag, doch oft schenken wir ihnen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Eine Triggerpunktbehandlung, speziell der Fußsohle und der Plantarfaszie, kann nicht nur Fußschmerzen lindern, sondern auch weitreichende positive Effekte auf den gesamten Körper haben.
Was sind Triggerpunkte?
Triggerpunkte sind verhärtete Stellen in den Muskeln, die Schmerzen hervorrufen können, manchmal auch an Stellen, die weit vom ursprünglichen Problem entfernt sind. Wenn es um die Fußsohle geht, können Triggerpunkte in der Plantarfaszie (dem Bindegewebe an der Unterseite des Fußes) zu Schmerzen in den Füßen, Knien, Hüften und sogar im Rücken führen.
Bedeutung der Plantarfaszie
Die Plantarfaszie spielt eine essentielle Rolle in der Fußmechanik. Sie unterstützt das Fußgewölbe und absorbiere Stöße beim Gehen. Eine übermäßige Belastung oder Verletzung kann zu Entzündungen oder Schmerzen führen, was die gesamte Körperhaltung beeinflussen kann.
Auswirkungen einer Triggerpunktbehandlung
Schmerzlinderung: Durch die gezielte Bearbeitung der Triggerpunkte an der Fußsohle können Schmerzen in der Plantarfaszie deutlich reduziert werden.
Verbesserte Mobilität: Eine entspannte Plantarfaszie und eine lockere Fußsohle fördern die Flexibilität, was die Beweglichkeit in anderen Körperregionen verbessert.
Korrektur von Haltungsproblemen: Schmerzen in den Füßen können zu Fehlhaltungen führen. Durch die Behandlung dieser Schmerzen können sich die Körperhaltung und die Gangart verbessern, was wiederum Rückenschmerzen und Gelenkprobleme reduzieren kann.
Entspannung und Stressabbau: Eine ganzheitliche Behandlung, die auch die Füße einbezieht, unterstützt den emotionalen und physischen Stressabbau. Entspannungstechniken, die an den Füßen angewendet werden, fördern das allgemeine Wohlbefinden.
Fazit
Die Triggerpunktbehandlung der Fußsohle und der Plantarfaszie ist mehr als nur eine lokale Behandlung; sie ist ein Schlüssel zu einer besseren Gesundheit des gesamten Körpers. Durch die richtige Pflege der Füße können wir nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch die Lebensqualität erheblich steigern. Es ist an der Zeit, unseren Füßen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen.
Diese Aufmerksamkeit kann durch eine Behandlung als auch durch ein spezifisches Fußtraining erfolgen. Das Fußtraining hat den Vorteil, dass hierdurch auch langfristige Verbesserungen erzielt werden können wie z.B. bessere Funktion des Nervensystems, Stärkung des Fußgewölbes etc.
Wende dich gerne an uns, wenn du dich für eine Triggerpunktbehandlung oder für ein spezifisches Training interessierst.
Eine Osteopathiebehandlung ist ein möglicher Schlüssel zu mehr Bewegungsfreiheit. Viele Menschen leiden unter Beschwerden, die ihre Beweglichkeit einschränken. Osteopathen nutzen sanfte Techniken, um Verspannungen zu lösen und die Körperfunktionen zu verbessern. Dadurch wird der Weg frei für gezieltes Training.
Den gerade ein gezieltes Training stellt eine langfristige Adaption des Nervensystems und des Gewebes sicher.
Mit speziellen Übungen kann der Körper gestärkt werden. Die Rückkehr zu einem aktiven Lebensstil wird möglich. Osteopathie fördert nicht nur die Heilung, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden.
Jeder Schritt in Richtung Bewegungsfreiheit ist ein Schritt zu mehr Lebensqualität. Lass uns gemeinsam diese Reise beginnen! Dein Körper wird es dir danken.
Den Weg zu mehr Bewegungsfreiheit und damit zu mehr Schmerzfreiheit musst du nicht alleine gehen. Wir können gemeinsam einen Trainingsplan erstellen, der auf deine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Durch spezielle Eingangstests analysieren wir deine aktuelle Situation und erarbeiten einen maßgeschneiderten Plan für die ersten 4-6 Wochen.
Heute möchte ich euch gerne die 4-7-8 Atemtechnik vorstellen. Diese Atemtechnik hat auch andere Namen, aber ich finde so kann man sich die Übung am besten merken. Im Prinzip ist die Übung sehr simpel und gleichzeitig sehr effektiv.
Es geht darum, 4 Sekunden einzuatmen, 7 Sekunden die Luft anzuhalten und 8 Sekunden auszuatmen. Zwischen der Ein- und Ausatmung sowie der Aus- und Einatmung kann man noch jeweils eine kurze Pause machen. Diese Atemtechnik soll uns helfen, unseren Stresslevel zu senken und uns wieder zu zentrieren. Aus dieser inneren Ruhe und Kraft können wir dann wieder energievoller und konzentrierter unserem Alltag angehen. Wir nutzen dabei unser grundlegendstes Werkzeug überhaupt, den Atem.
Es gibt zahlreiche Studien die belegen, dass eine verlängerte Ausatmung zur stärkeren Aktivierung des Parasympathikus führt. Der Parasympathikus ist der Teil unseres vegetativen Nervensystems, der für Entspannung, Regeneration und Reparatur in unserem Körper sorgt.
In einem weiteren Blog Artikel möchte ich mich gerne dem Thema des vegetativen Nervensystems näher widmen, allem voran dem Vagus Nerv, der hier eine zentrale Rolle spielt.
Kommen wir nun aber zur praktischen Übung. Bei der Übung ist es sinnvoll, wenn du dich auf einen Stuhl oder Meditationskissen setzt, wo du einige Zeit ohne Schmerzen verweilen kannst. Mit einem geeigneten Sitz kannst du die Aufrichtung deines Körpers und damit eine gesunde und vollständige Atmung unterstützen. Achte beim Sitz darauf, dass du gut Kontakt hast mit deinen Sitzbeinhöckern zum Kissen oder zum Stuhl. Das Becken sollte aufgerichtet sein, d.h. es sollte weder stark nach hinten noch nach vorne gekippt sein. Das Brustbein ist aufgerichtet, wie als würde dich hier ein Faden diagonal nach oben ziehen. Die Schultern sind gesenkt, Das Kinn ist leicht eingezogen. Auch am Hinterkopf ist ein imaginärer Faden befestigt, der dich leicht nach oben zieht, dann ist der Nacken lang und erhält seine natürliche lordotische Form.
Ok, dann lasst uns starten, mit der Einatmung legen wir den Daumen auf das erste Fingerglied des kleinen Fingers, die Einatmung dauert 4 Sekunden. Dann halten wir 7 Sekunden den Atem an, und Atmen dann 8 Sekunden aus. Mit dem zweiten Zyklus gehen wir dann mit dem Daumen ein Fingerglied weiter nach oben. Hier wiederholen wir die gleiche Prozedur wie gerade eben beschrieben. Bitte wiederhole diesen Schritt so lange, bis du mit deinem Daumen auf dem mittleren Fingerglied des Mittelfingers angekommen bist. Damit bist du auch am innersten Punkt der imaginären Spirale angekommen.
Nun starten wir die 4-7-8 Atemtechnik. Wir machen 12 Durchgänge. Dieses 12 Durchgänge zählen wir mit der Hand ab, damit wir uns besser auf die Atmung konzentrieren können. Dazu nehmen wir die rechte oder linke Hand und und zählen mit dem Daumen spiralförmig von außen nach innen die einzelnen Fingerglieder ab. Wir starten hier am ersten Fingerglied des kleinen Fingers und gehen dann über die letzten Fingerglieder der weiteren Finger immer mehr von außen nach innen (Die auf dem Handteller dargestellte Spirale auf dem Bild muss man sich auf den Fingergliedern vorstellen). Diese Spirale von außen nach innen soll auch noch einmal symbolisch den Rückzug unserer Sinne und die Einkehr nach innen darstellen.
Bleibe hier noch ruhig 2-3 Minuten sitzen und beobachte einfach nur deinen Atem. Vielleicht nimmst du nun schon mehr Ruhe in dir selbst war, die es dir nun auch leichter macht, einfach nur einen Moment still zu sitzen.
Osteopathie und Yoga möchten gerne als ganzheitliche Systeme verstanden werden. Ganzheitliche Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass ihre einzelnen Komponenten in Wechselwirkung stehen. Ähnlich wie die Zahnräder eines Uhrwerks, setzt man ein Zahnrad in Bewegung, bewegen sich auch die anderen Zahnräder.
In diesem Artikel möchte ich gerne einen Überblick über das „Zahnrad“ Nervensystem geben, und welche Rolle es aus meiner Sicht im Yoga und in der Osteopathie einnimmt.
Die Funktion des Nervensystems in unserem Körper
Das Nervensystem ist eines der großen Kommunikationssysteme in unserem Körper. Über sensorische Nerven werden Impulse über unsere Sinnesorgane aufgenommen und an unser zentrales Nervensystem weitergeleitet. Die motorische Nervenbahnen hingegen gehen von unserem zentralen Nervensystem aus und befähigen zum Beispiel unsere Muskeln zur Kontraktion und damit zur Bewegung. Auch gibt es noch das autonome Nervensystem in Gestalt des sympathischen und parasympathischen Nervensystems, welches scheinbar nicht willkürlich beeinflusst werden kann. Durch diese beiden Systeme werden viele wichtige Abläufe im Körper gesteuert. Welchen Blick kann man nun aber aus der Osteopathie und dem Yoga auf unser Nervensystem werfen?
Das Nervensystem aus dem Blickwinkel der Osteopathie
Das Nervensystem kann man sich auch wie einen leistungsstarken, hochauflösenden Scanner vorstellen. Es scannt zu jedem Zeitpunkt verschiedenste Körperareale und gibt Informationen an diese Körperareale weiter oder nimmt sie von dort auf.
Nun ist es so, dass durch verschiedene Dysfunktionen aber auch durch unsere heutige Lebensweise mit vielem Sitzen und Bewegungsmangel die Funktion dieses Scanners deutlich eingeschränkt ist.
Wenn zum Beispiel eine bestimmte Bewegung in einem bestimmten Gelenkwinkel nicht mehr durchgeführt wird, lässt hier auch die Fähigkeit nach, das Gelenk feinmotorisch genau zu steuern. Durch fehlende Feinmotorik können sich dann Gelenkfehlhaltungen und damit langfristig Gelenkschäden oder auch Irritationen an Nerven entwickeln.
In der Osteopathie such man nun in der Diagnose nach Gelenkfehlstellungen und nach deren Ursache. So verlassen beispielsweise viele periphere Nerven für die oberen Extremitäten die Halswirbelsäule. Sind nun an der Halswirbelsäule einzelne Wirbel nicht an ihrer korrekten Position, kann das auch die entsprechenden Nerven beeinträchtigen. In der osteopathischen Behandlung wird nun wieder ein osteopathisches Prinzip sichtbar, nämlich das Prinzip „Der menschliche Körper funktioniert als Einheit“. So können Schmerzen am Handgelenk ihre Ursache in einem fehlgestellten Wirbel an der Halswirbelsäule haben. Durch verschiedene Tests kann der Therapeut der Ursache auf die Schliche kommen und so effektive Techniken anwenden, die dem Patienten nicht nur kurzfristig sondern auch langfristig nutzen.
Auch kann die neuronale Aktivität in vernachlässigten Körperarealen wieder erhöht werden. Werden passiv bestimmte Bewegungen in Gelenkwinkel ausgeführt, die zuvor gar nicht mehr im „Alltagsrepertoire“ vorhanden waren, kann hier mit gesteigerter neuronale Aktivität auch wieder eine bessere Feinmotorik hergestellt werden.
Um die neuronale Aktivität und auch die verbesserte Feinmotorik langfristig im Körper zu gewähren, leisten zum Beispiel die Körperübungen (Asanas) aus dem Yoga einen wichtigen Beitrag.
Das Nervensystem aus dem Blickwinkel des Yoga
Das Nervensystem spielt im Yoga eine überragende Rolle. Einen Teil dieser Rolle möchte ich gerne in den zwei folgenden Abschnitten kurz ansprechen:
Im Abschnitt zuvor haben wir über Körperareale mit geringer neuraler Aktivität gesprochen. In den Yoga Asanas arbeitet man teilweise mit bestimmten Anweisungen für dein eigenen Geist, um das Bewusstsein auf bestimmte Bereiche zu lenken.
Beispielsweise kann ich in der Asana Trikonasana (Dreieck) meine Aufmerksamkeit bewusst auf die Außenkante des Fußes meines hinteren Beines lenken. Allein dadurch schaffe ich bereits mehr neurale Aktivität und damit verbessert sich die Sensorik und Feinmotorik. Durch die verbesserte Propriozeption des Fußes kann sich auch insgesamt ein besseres Haltungsbild entwickeln.
Tiefe Atmung, klarer Geist
Ein anderer wichtiger Aspekt, den ich durch dessen Komplexität hier nur oberflächlich anschneiden kann, ist die Wirkung der Atmung auf unser Nervensystem.
Die Atmung wird im Yoga auch als Schlüssel bezeichnet. So gibt es verschiedenste Atemtechniken um unterschiedliche Bewusstseinszustände herbei zu führen. So kann vereinfacht gesagt eine verstärkte Ausatmung zur Erhöhung des Parasympatikus beitragen. Der Parasympatikus spielt eine wichtige Rolle bei der Regeneration, Heilung und Verdauung des Körpers.
Bei vielen Störungen des Körpers ist eine Vorausetzung zur Heilung ein funktionierender Parasympatikus. Mit bestimmten Übungen und der Kombination von Bewegung und Atmung kann jeder selbst die Regeneration seines Körpers und auch seines Geistes beeinflussen.
Wenn Interesse besteht, wir vom Team der Praxis für Integrative Naturheilkunde stehen Ihnen hier gerne mit Tipps zu bestimmten Übungen oder auch einer individuellen Yoga Praxis zur Seite!
Viele Menschen nutzen eine sogenannte Morgenroutine, um sich auf den kommenden Tag geistig und körperlich auszurichten. Diese Morgenroutine kann ein wichtiger Bestandteil sein, gesund und geistig zentriert zu bleiben.
Als Praxis für integrative Naturheilkunde können wir tägliche Routinen, welche den Tag positiv beeinflussen, nur empfehlen. Ich persönlich räume mir jeden Tag ca. 45 – 60 Minuten schon früh am Morgen frei, um gewisse Dinge zu praktizieren. Dazu gehören aktuell Yoga, Meditation, Atemtechniken, aber auch spezielle gedankliche und emotionale Ausrichtungen.
Um eine dieser Ausrichtung geht es in diesem Beitrag, nämlich das „Ritual zur Ausrichtung der Lebensmatrix“ von meinem geschätzten Heilpraktiker Kollegen und Freund Carlos Miranda.
Carlos hat hier 7 Affirmationen geschrieben, stellvertretend für die 7 Energiezentren – der Chakren – des Körpers. Auch wenn einem vielleicht das Konzept der Chakren fremd ist, unterstützen diese Affirmationen enorm, sofern sie in einem regelmäßigen Ritual durchgeführt werden.
Ganz klar habe ich für mich persönlich einen Unterschied in meinem Umgang mit mir selbst und meinem Umfeld gemerkt, wenn ich diese Affirmationen morgens durchgegangen bin.
Mir hat es geholfen, neben der Visualisierung des Textes auch wirklich das Gefühl zu beobachten, dass sich mit den Gedanken zu den einzelnen Affirmationen hochgestiegen ist.
Gerade in der jetzigen Zeit ist für mich wichtig, sich an einer Art Ethik und Selbstverständnis zu orientieren, um sich selbst und andere zu unterstützen, sich auszurichten und füreinander da zu sein.
Wurzelchakra „Ich BIN“
Präsenz, Autonomie, Vertrauen
Ich richte mich darauf aus, stets ganz im Hier und Jetzt präsent zu sein.
Ich richte mich darauf aus, stets in meinem eigenen Sein verankert zu sein und ein selbstbestimmtes, unabhängiges und selbstversorgendes Leben zu führen.
Ich richte mich darauf aus, stets mein eigenes Vertrauen und das Vertrauen anderer Wesen durch Zuverlässigkeit und Geborgenheit zu nähren.
Sakralchakra „Ich FÜHLE“
Empathie, Achtsamkeit, Kreativität
Ich richte mich darauf aus, stets meine eigenen Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen und erkenne mich selbst als Quelle meiner Emotionen. Ich richte mich darauf aus, stets mitfühlend die Bedürfnisse und Gefühle anderer Wesen wahrzunehmen und zuzulassen und erkenne, dass sie selbst Quelle ihrer Emotionen sind.
Ich richte mich darauf aus, stets achtsam zu sein im Umgang mit meinen eigenen Bedürfnissen und Gefühlen und den Bedürfnissen und Gefühlen anderer Wesen.
Ich richte mich darauf aus, meinen Gefühlen stets einen kreativen und lebensbejahenden Ausdruck zu verleihen ohne sie zu unterdrücken.
Solarplexus Chakra „Ich HANDLE“
Freiheit, Selbst- und Mitverantwortung, Respekt
Ich richte mich darauf aus, stets meinen freien Willen zu erkennen, zu bewahren und aus ihm heraus unbefangen und frei zu handeln.
Ich richte mich darauf aus, stets aus dem Gewahrsein meiner vollen Selbst- Verantwortung und meiner Mit-Verantwortung dem Leben gegenüber heraus zu handeln.
Ich richte mich darauf aus, stets den freien Willen anderer Wesen zu respektieren und wertzuschätzen, und wertschätze mich selbst, indem ich für einen ebenso respektvollen Umgang anderer Wesen mir gegenüber einstehe.
Herz Chakra „Ich LIEBE“
Liebe, Freundlichkeit, Dankbarkeit
Ich richte mich darauf aus, stets die Liebe in meinem Herzen wahrzunehmen, zuzulassen und ihr zu folgen.
Ich richte mich darauf aus, stets jedem Wesen mit echter Freundlichkeit zu begegnen und mir Selbst und Anderen gegenüber großmütig und großzügig zu handeln.
Ich richte mich darauf aus, stets dankbar für alle Erfahrungen in meinem Leben zu sein um so die Fülle des Lebens und die göttliche Liebe in meinem Herzen zuzulassen und zu erfahren.
Ich richte mich darauf aus, meine Bedürfnisse, Gefühle, und Sichtweisen stets authentisch und ehrlich wahrzunehmen und mitzuteilen und stets die Wahrheit zu sprechen.
Ich richte mich darauf aus, die Mitteilungen Anderer stets mit Aufmerksamkeit und Offenheit wahrzunehmen und stets die Wahrheit zu vernehmen.
Ich richte mich darauf aus, stets einen offenen Austausch von Bedürfnissen, Gefühlen und Sichtweisen zwischen mir und anderen zu fördern.
Stirn Chakra „Ich SEHE“
Intuition, Unterscheidungsvermögen, Weisheit
Ich richte mich darauf aus, meine Intuition stets als Ausdruck meiner Fähigkeit zur unmittelbaren Wahr-Nehmung de Wirklichkeit anzuerkennen und ihr zu vertrauen.
Ich richte mich darauf aus, stets einen klaren Geist / Verstand zu haben, der klar wahrnehmen kann und Unterscheidungsvermögen besitzt.
Ich richte mich darauf aus, stets die tieferen Zusammenhänge des Lebens zu sehen, meine Intuition und meinen Verstand in Einklang zu bringen und die jeweils sinnvollste Handlungsmöglichkeit zum Wohle meiner Selbst und des Lebens zu erkennen.
Kronen Chakra „Ich ERKENNE“
Ich richte mich darauf aus, stets im Bewusstsein und der ERKENNTNIS zu leben, dass alles EINS, und ewiglich miteinander verbunden ist.
Ich richte mich darauf aus, stets im Bewusstsein und der ERKENNTNIS zu leben, dass sich diese EINHEIT in der unermesslichen Vielfalt des Lebens ausdrückt.
Ich richte mich darauf aus, stets mich Selbst, als auch alle anderen Aspekte des Lebens, als einen Ausdruck des großen göttlichen Bewusstseins zu erkennen.
Die Osteopathie versteht sich als ganzheitliche Behandlungsmethode. Ganzheitlich bedeutet in diesem Fall, dass zum Beispiel bei Schmerzen am Handgelenk nicht nur das Handgelenk behandelt wird. Vielmehr wird untersucht, ob dysfunktionale Strukturen (z.B. eingeengter Nerv an der Halswirbelsäule) an anderer Stelle diese Schmerzen am Handgelenk verursachen. Da die Zusammenhänge von Störungen oft vielfältig und komplex sind, wäre es sehr aufwendig nach festgesetzten Regeln vorzugehen. Daher gibt es bestimmte Prinzipien, nach denen sich eine Behandlung in der Osteopathie richtet.
Im folgenden möchten wir gerne einen Überblick dieser Prinzipien geben, und welche Strategien wir anhand der Prinzipien in der Praxis für Naturheilkunde anwenden.
Der menschliche Körper funktioniert als Einheit
Der menschliche Körper besteht nicht aus einer Aneinanderreihung verschiedener Strukturen wie z.B. die Muskulatur, die keine Beziehung zu den anderen Strukturen haben. Längst ist noch nicht alles erforscht, es wird aber immer mehr deutlich wie intelligent der Körper Informationen über verschiedene Kommunikationssysteme austauscht. Diese ausgetauschte Information sorgt dafür, dass quasi alle Zellen des Körpers immer Bescheid wissen, was im Rest vom Körper passiert. Auch ist unser Geist, damit unsere Gedanken und Emotionen untrennbar mit unserem Körper verbunden.
Bei den Behandlungen und Beratungen beziehen wir diesen Umstand immer mit ein. Ist zum Beispiel ein Patient von Rückenschmerzen geplagt und hat gleichzeitig viel Stress im Beruf oder auch im Privatleben, reicht eine manuelle Behandlung der Rückenschmerzen nicht aus. Das heißt die Behandlung der Rückenschmerzen kann beispielsweise durch Entspannungstechniken oder Yoga Übungen sowie Meditation erweitert werden, um mögliche psychische Ursachen für Rückenschmerzen mit einzubziehen.
Die Struktur bestimmt die Form („Form follows function“)
Oder die Form bestimmt die Struktur. Anders ausgedrückt, man kann den einzelnen Menschen nicht in eine bestimmte Form biegen oder pressen. Wenn ein Mensch eine bestimmte Körperhaltung einnimmt, kann dies auch z.B. organische Ursachen haben. Der Körper kompensiert mit der Körperhaltung eine organische Störung, daher ist es in so einem Fall nicht sinnvoll, allein die Körperhaltung zu korrigieren. Bei einer alleinigen Korrektur der Körperhaltung ohne die organische Störung zu beheben, wird der Körper bald wieder in sein Kompensationsmuster zurückfallen.
Prinzip der Arterie (Alle Flüssigkeiten müssen im Körper fließen)
Unsere Gefäßsysteme erfüllen die unterschiedlichsten wichtigen Aufgaben. Sauerstoffversorgung, Abtransport von Stoffwechselendprodukten, Transportband für die Immunabwehr. So ist neben dem Arterien- und Venensystem auch gerade das Lymphsystem ein wichtiger Bestandteil unserer Gesundheit. Fließt die Lymphe nicht normal, können zum einen unsere Abwehrzellen nicht an den Ort des Infektionsgeschehens transportiert werden, zum anderen können abgetötete Krankheitserreger nicht abtransportiert werden. Über das Blut werden neben Sauerstoff viele wichtige Nähr- und Botenstoffe in die einzelnen Körperregionen gebracht.
Um so wichtiger ist es daher, alle Flüssigkeiten wieder zum fließen zu bringen. Das kann beispielsweise geschehen durch die Dekomprimierung eines Gelenks, der Massage einer verhärteten Muskulatur oder der manuellen Bearbeitung von Fasziengewebe
Der Körper verfügt über selbstheilende Mechanismen
Der Therapeut kann nur den Anstoß zur Heilung geben, Heilen kann sich der Körper selbst. Ziel einer Behandlung ist es auch, genau diesen Anstoß zu finden. Manchmal ist es eine kleine Korrektur der Nervenbahnen oder die Mobilisation eines Hüftgelenks, den Rest erledigt der Körper oft von selbst.
Die Mobilität aller Gewebe, Knochen und Organe muss gewährleistet sein, damit ein physiologisches Funktionieren möglich ist.
Die Osteopathie bedient sich verschiedener Dehnungs- und Mobilisierungstechniken, sollte die Mobilität bestimmter Strukturen eingeschränkt sein.
Durch unsere heutige, überwiegend sitzende Lebensweise ist es jedoch sehr wichtig, dass jeder für sich selbst eine Methode findet, um einen Ausgleich zum vielen Sitzen zu schaffen. Dieser Ausgleich enthält bestenfalls auch das Element der Beweglichkeit und der Mobilisierung.
Hier bieten wir in der Praxis für Integrative Naturheilkunde an, für jeden interessierten einen individuellen Übungsplan auf Basis der Beschwerden zu erstellen.
Schon langer Zeit ist „Bewegung“ einer der Säulen der Naturheilkunde. In der heutigen Zeit des Bewegungsmangels jedoch ist es wichtig, sich nicht nur zu bewegen sondern zu trainieren. Eine Definition des Training ist es, eine regelmäßige, dosierte körperliche Tätigkeit auszuführen. Diese körperliche Tätigkeit muss dazu in der Lage sein, einen Wachstumsreiz im Körper auszulösen. Dieser Wachstumsreiz erhöht die Leistungskapazität unseres Stoffwechsels, unserer Organe und Organsysteme.
Im folgenden haben wir einen Artikels des deutschen Ärzteblatts abgebildet, da hier einige elementare Sachverhalte zur Wirkung von Sport auf unsere Gesundheit klar und deutlich beschrieben werden:
„Sport ist eines der wirkungsvollsten und sichersten „Medikamente“. Nur leider sind die wenigsten Menschen ausreichend körperlich aktiv. Welche „Dosierung“ erforderlich ist, um langfristig auch schweren Erkrankungen vorzubeugen, dazu gibt es mittlerweile klare Empfehlungen.Eine Kombination aus Krafttraining und regelmäßigem Ausdauersport gilt als optimal zur Prävention von Krankheiten – auch und insbesondere zur Diabetesprävention sowie für ältere Menschen, die damit dem Muskelschwund vorbeugen können. Foto: Halfpoint/stock.adobe.com
Rund 2 Milliarden Menschen – mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung – bewegen sich zu wenig (1). Hierzulande ist sogar fast jeder Zweite zu inaktiv und erreicht nicht die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO; siehe Infobox). Die vielen Annehmlichkeiten unserer modernen Welt – Auto, Bürojob, Fahrstühle, Lieferdienste – tragen ihren Teil dazu bei. Die gesellschaftliche Bequemlichkeit hat aber ihren Preis: Bewegungsmangel spielt in der gleichen Liga wie die klassischen Risikofaktoren Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes (2). So weisen „Extremsitzer“ (mehr als 8 Stunden am Tag) ein um rund 80 % erhöhtes Sterberisiko auf (3). Der oft bemühte Spruch „Sitzen ist das neue Rauchen“ scheint damit belegt zu sein.
Doch es gibt eine gute Nachricht: Der Mensch ist genetisch auf Bewegung programmiert, was auch die unzähligen positiven Gesundheitseffekte erklärt. Erst kürzlich wurde im Journal of the American College of Cardiology ein Artikel veröffentlicht, der aufzeigt, wie viel Bewegung nötig ist, um langes Sitzen (z. B. am Arbeitsplatz) auszugleichen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass 5 Stunden körperliche Bewegung pro Woche erforderlich sind, um ein tägliches Sitzen von 8 und mehr Stunden zu kompensieren. Stehen statt sitzen verbesserte das kardiovaskuläre Risiko nicht. Weiterhin zeigte die Untersuchung, dass mehr als 8 Stunden Sitzen ohne Sport als Ausgleich das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um rund 80 % erhöht.
„Regelmäßige körperliche Bewegung eignet sich wunderbar zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Krebserkrankungen, Osteoporose, Übergewicht, Stress und Burnout“, schwärmt Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Er will die Bewegung wieder zu den Menschen bringen. Dabei ist er auch auf die Hilfe von Ärzten angewiesen.
Sport verlängert das Leben
Doch im Arztgespräch wird körperliche Bewegung oft nur am Rande thematisiert, was Patienten nicht wirklich dazu motiviert, ihre Lebensweise zu ändern. Es gibt aber überzeugende Zahlen und Fakten, die Ärzten helfen können, ihren Patienten zu erklären, welche gesundheitlichen Vorteile Bewegung ganz konkret mit sich bringt. Eine Vielzahl von Studien belegt, dass körperliche Bewegung eine wirkungsvolle „Anti-Aging Medizin“ ist (4, 5). Schon 15 Minuten Bewegung am Tag senken demnach das Mortalitätsrisiko um 14 % (6, 7). Jede weitere Viertelstunde reduziert das Risiko um weitere 4 %. Die Superaktiven, die rund 50 Minuten intensiven Sport pro Tag machen, können ihr Sterberisiko sogar um knapp die Hälfte reduzieren (7). Eine Erklärung für die lebensverlängernde Wirkung von Sport entdeckte kürzlich ein deutsches Forscherteam: Regelmäßiger Ausdauersport (3-mal 45 Minuten pro Woche) erhöhte die Aktivität des Enzyms Telomerase, das die Schutzkappen der Chromosomen, die Telomere, verlängert und die Körperzellen dadurch wieder „verjüngt“ (8).
Aber auch das Immunsystem profitiert: Ältere Menschen, die ihr ganzes Leben viel Ausdauersport getrieben hatten, wiesen in einer Studie deutlich aktivere B- und T-Zellen im Blut auf (9). Dadurch waren sie weniger anfällig für Infektionen, chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen und wiesen einen besseren Impfschutz auf.
Andere Studien zeigen, dass regelmäßiger Sport die natürlichen Killerzellen aktiviert, deren Aufgabe unter anderem die Bekämpfung von Krebszellen ist (10). Wer körperlich sehr aktiv ist (rund 3-mal so viel wie die WHO empfiehlt), kann sein Risiko für die Entwicklung von 13 Krebsarten um bis zu 42 % verringern – darunter Darm-, Lungen- und Brustkrebs mit je 16 %, 26 % und 10 % Reduktion (11). Doch auch nach einer Krebsdiagnose ist es nicht zu spät für Sport: Patienten, die an Brust- oder Darmkrebs erkrankt waren und erst dann begannen, sich zu bewegen, konnten ihr Sterberisiko mit einem Training nach WHO-Empfehlungen um circa 28 % senken (12). Auch Patienten mit Prostatakrebs profitieren: Mehr als 3 Stunden intensiver Sport pro Woche reduzierten die Sterbewahrscheinlichkeit nach einer Prostatakrebs-Diagnose um 61 % (13).
Nur bei einer Krebsform scheint sich Sport negativ auszuwirken: Körperlich aktive Menschen haben ein um 30 % erhöhtes Melanom-Risiko, denn sie verbringen viel Zeit im Freien und setzen sich dadurch einer erhöhten UV-Dosis aus. Regelmäßige Hautchecks sind bei ihnen Pflicht.
Krafttraining gegen Diabetes
Sport spielt auch in der Diabetes-prävention eine entscheidende Rolle und kann die Krankheit hinauszögern oder sogar verhindern (14). Der Grund: Körperliche Aktivität aktiviert einen insulinunabhängigen Mechanismus, mit dem die Körperzellen Glukose aus dem Blut besser aufnehmen können. Der Blutzuckerspiegel sinkt und die Insulinsensitivität steigt.
Das spiegelt sich auch in Studienergebnissen wieder: Schon 2,5 Stunden aktives Spazierengehen pro Woche verringerten bei Gesunden das Diabetesrisiko um 30 % und halfen Menschen, die bereits an Diabetes erkrankt waren, ihren HbA1c-Wert um 0,5–0,7 % zu senken. In 2 von 3 Fällen können Diabetiker sogar ihre Medikation reduzieren (15–17).
„Neben Ausdauersport eignet sich insbesondere Muskelaufbautraining im Kampf gegen Diabetes“, so Froböse. „Muskeln sind wahre Zuckerfresser“. In der Tat erhöht zusätzliches Muskelgewebe die Glukose-Speicherkapazität des Körpers und senkt den HbA1c-Wert noch effektiver ab (18, 19). Die positiven Effekte auf den Glukosespiegel sind mitunter schon nach einer Woche Sport im Blut sichtbar (14). Doch genauso schnell können sie auch wieder verblassen: Um die Wirkung aufrechtzuerhalten, sollten Trainingspausen nicht länger als 2 Tage andauern (14).
Auch das Herz-Kreislauf-System lässt sich nachweislich durch regelmäßige Bewegung positiv beeinflussen: Schon 5–10 Minuten langsames Joggen am Tag reduzieren das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um fast zwei Drittel (20). „Optimal für die Herzgesundheit sind aber rund 3,5 Stunden moderater Sport pro Woche“, sagt Froböse.
Die Gründe für die positiven Effekte auf das Herz-Kreislauf-System sind vielfältig. Regelmäßige Bewegung senkt den systolischen/diastolischen Blutdruck um bis zu 11/6 mmHg (21, 22). Insbesondere Hypertoniker profitieren davon. Weiterhin verbessert körperliche Aktivität das Lipidprofil und kann das HDL-Cholesterin um bis zu 15 mg/dl ansteigen lassen, die Konzentration von Triglyceriden dagegen um bis zu 38 mg/dl senken (23). Auch wenn es nur geringe Effekte auf das LDL-Cholesterin gibt, so kann regelmäßiger Sport insbesondere die Anzahl der kleinen atherogenen LDL-Partikel um circa 20 % reduzieren und dadurch das Arterioskleroserisiko senken (23, 24). Sport hat aber noch weitere antiatherogene Wirkungen: Er fördert die Ausschüttung von vasodilatatorischen Botenstoffen und induziert die Bildung neuer Blutgefäße.
Aktives Muskelgewebe sezerniert zudem sogenannte Myokine, die chronische Inflammationen eindämmen und der Plaqueentstehung entgegenwirken. Sind bereits Plaques vorhanden, kann regelmäßiger Sport ihre Festigkeit erhöhen und eine Ruptur vermeiden. Weiterhin hilft körperliche Bewegung auch bei Arrhythmien, indem die parasympathische Regulation des Herzschlags verbessert und die Störanfälligkeit der Kardiomyozyten verringert wird (6).
Beeindruckend sind auch die Effekte auf das Gehirn. „Schon 10 Minuten einfaches Spazierengehen reichen aus, um unsere Neuronen besser zu vernetzen und die Gedächtnisleistung zu erhöhen (25)“, erklärt Prof. Michael Yassa, Neurobiologe an der Universität Irvine in Kalifornien. Tatsächlich lässt körperliche Bewegung neue Gehirnzellen im Hippocampus und frontalen Kortex sprießen und verbessert so die Lern- und Merkfähigkeit (26, 27). Dadurch lässt sich der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken. Eine Studie mit einem Follow-up von 44 Jahren zeigt dies eindrücklich: Menschen mit einem hohen Fitnesslevel hatten ein bis zu 88 % geringeres Demenzrisiko (28). Vermittelt werden die positiven Effekte wahrscheinlich über das Hormon „brain-derived neurotrophic factor“ (BDNF). 20–40 Minuten Ausdauersport erhöhen die BDNF-Konzentration bereits um 32 % (29). Dagegen führt Inaktivität zu einer Reduktion um 13 %.Viel mehr Bewegung fordern Experten, noch mehr als die WHO empfiehlt. Den bequemen Bürojob auszugleichen, erfordert Disziplin. Aber dennoch sind sich alle einig: Selbst ein wenig Bewegung ist immer noch besser als überhaupt keinen Sport zu treiben. Foto: Sergey Nivens/stock.adobe.com
Wirksam wie Antidepressivum
Sport erhöht auch die Konzentrationen von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im Blut, die über die Aktivierung unseres Belohnungssystems die Stimmung verbessern und Stressgefühle vermindern (30, 31). Körperliche Aktivität taugt so auch als äußerst effektives Mittel gegen Depressionen: Eine Studie zeigt, dass 30 Minuten Joggen pro Woche ähnlich effektiv wirken wie ein Antidepressivum (32).
Die Liste der positiven Wirkungen von Sport ließe sich fast endlos fortsetzen. Fakt ist: Unzählige wissenschaftliche Studien zeigen, dass Sport nicht nur zum Abnehmen geeignet ist, sondern darüber hinaus noch zahlreiche andere gesundheitliche Vorteile bietet. Zudem gibt es eine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung. Froböse gehen die WHO-Empfehlungen daher nicht weit genug: „Ich bin der Meinung, sie sollten doppelt so hoch sein. Auch Neurobiologe Yassa empfiehlt rund 60 Minuten mehr Bewegung pro Woche.
Die Wissenschaftler könnten recht haben: Traditionelle Jäger- und-Sammler-Völker bewegen sich rund 6–8 Stunden pro Tag und lassen die typischen Volkskrankheiten vermissen (6). Solche Höchstleistungen sind allerdings nicht erforderlich, um an den positiven Effekten regelmäßiger körperlicher Bewegung teilzuhaben. „Stattdessen sollten wir den Alltag wieder zur Trainingsstätte machen“, findet Froböse.
Neben individuellem Einsatz – Treppe statt Aufzug, Stehen statt Sitzen – fordert er politische Maßnahmen, sei es die Schaffung von Bewegungsräumen oder die Ausschilderung von Fußwegen statt von Parkplätzen. Auch Schrittzähler können dabei helfen, die eigenen Erfolge sichtbar zu machen und einen Anreiz für mehr Bewegung zu setzen.
Zusätzlich zum Ausdauertraining empfiehlt Froböse speziell älteren Menschen ein funktionelles Aufbautraining der großen Muskelgruppen, um dem beschleunigten Muskelabbau und damit der Sturzgefahr entgegenzuwirken. „Hier helfen hohe Gewichte und wenig Wiederholungen“, sagt der Sportwissenschaftler. Weiterhin können Senioren ihre Beweglichkeit und Koordination in Gymnastik- und Tanzkursen schulen. „Wichtig ist, dass es Spaß macht“, so Froböse.
Sport auf Rezept
Bewegung ist ein – meist kostenloses – Allzweckmittel gegen zahlreiche Krankheiten, die hinsichtlich Wirksamkeit den Vergleich mit Medikamenten nicht scheuen muss. Dennoch nimmt der Bewegungsmangel in der Gesellschaft immer weiter zu. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Das Patientengespräch bietet den idealen Raum, die Menschen über die zahlreichen Vorteile körperlicher Aktivität zu informieren und zur Bewegung zu motivieren.
Auch betagte Personen und Patienten mit Vorerkrankungen sollten nach einem medizinischen Check-up zu körperlicher Bewegung animiert werden. Am Ende des Gesprächs könnte die Ausstellung eines „Sportrezepts“ stehen, das über Art, Dauer, Häufigkeit und Intensität der empfohlenen Bewegung informiert. Dr. med. Tim Hollstein„